Camping Teil 3: Hygiene - Fahrrad.de
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Wer an Camping denkt, hat oft ein gemischtes Bild im Kopf: Schöne Natur, tolle Wanderungen aber schlechte Hygiene. Das leuchtet ein, schließlich hat man mitten im Wald nur selten Waschbecken, Toilette oder Dusche. Doch mit einigem Grundwissen kann man den Komfort einer solchen Tour erheblich erhöhen. Ich schreibe hier aus meinen persönlichen Erfahrungen aus meinen Abenteuern der letzten Jahre, sowie meiner aktuellen Tour, die mich auf dem Rad von Alaska nach New York führt.

Das Waschen bei Radreisen:

Das einfache Händewaschen unterwegs kann ohne Wasser vor Ort richtig schwierig werden, und deshalb habe ich immer Babytücher dabei. Die machen zwar jede Menge Abfall, können aber für die Hygiene am ganzen Körper benutzt werden. Die gebrauchten Tücher kommen bei mir einfach in einen Zip- Loc Beutel. Wenn ich genug Wasser dabei habe, benutze ich meinen 10-Liter Wassersack. Er besitzt eine Schnur und Ösen rundum, so dass man ihn einfach aufhängen kann. Er fungiert als Trinkwassersack, aber auch als Dusche oder zum Händewaschen. Dafür hänge ich ihn einfach an einem Baum auf und stelle die richtige Öffnungsgröße ein. Hier im Yukon gibt es außerdem einige Flüsse, die ich als Wasserquelle verwenden konnte: In anderen Gebieten sollte man jedoch zuerst überprüfen, ob die Wasserqualität im jeweiligen Gebiet ausreichend ist. Als Waschmittel benutze ich ein Outdoor-Waschgel, welches biologisch abbaubar ist. Leicht und daher auch absolut zu empfehlen sind die Waschtücher von sea to summit: diese kleinen „Waschmittelblätter“ kann man einfach nass machen, und dann als Shampoo oder Rasierschaum verwenden. Das klappt gut, und ist die leichteste Möglichkeit, die mir bis jetzt untergekommen ist. Was das Abtrocknen betrifft, so sind Microfaserhandtücher nicht ohne Grund bei Reisenden unglaublich beliebt. Sie sind leicht, lassen sich klein zusammenfalten und trocknen sehr schnell. Und selbst wenn das Handtuch noch nass ist, kann man sich trotzdem damit abtrocknen.

Das Wäschewaschen bei Radreisen:

waschen am See - Bikepacking

Foto: Leonard Schlüren

Beim Reinigen der Klamotten gelten ähnliche Regeln wie für die Körperhygiene. Das Waschen in Flüssen ist meist kein Problem, auch wenn es seine Zeit dauert. Ich benutze aber für die Kleidungswäsche am liebsten einfach ein Waschbecken, deshalb habe ich immer Klamotten für mindestens 7 Tage mit, da das in etwa der Maximalabstand ist, der zwischen zwei längeren Stopps liegt. Um die Kleidung zu trocknen muss man allerdings etwas kreativ werden. Man hat verschiedene Möglichkeiten, die Sachen schnell und einfach trocken zu bekommen:

  • Das Aufhängen direkt am Fahrrad
    Das Aufhängen am Fahrrad ist eine gute Option: man ist weiterhin unterwegs, wird durch den Trocknungsprozess nicht lange aufgehalten. Außerdem trocknet die Kleidung durch den Fahrtwind schneller als im Stand. Der Nachteil ist jedoch, dass die Kleidung hier auch schnell wieder dreckig werden kann. Zum Beispiel wenn man durch die Stadt fährt schon allein durch die Abgase in der Luft oder wenn man das Fahrrad zum Abstellen anlehnen muss.
  • Das Trocknen direkt am Fluss bei Sonnenschein
    Diese Option eignet sich vor allem dann, wenn das Flussufer voller warmer Steine ist. Sie beschleunigen den Trocknungsprozess. Außerdem kann man die Zeit am Fluss auch für eine schöne Pause nutzen, eventuell etwas essen und einfach mal entspannen.
  • Das Aufhängen am Zelt
    Das Schöne beim Aufhängen am Zelt ist, dass die Kleidung quasi „über Nacht“ trocknet. Das geht allerdings nicht bei jedem Wetter, denn auch der Morgentau kann einem schnell einen Strich durch die Rechnung machen. In tropischen Gebieten aber definitiv eine Empfehlung.

Die Toilette bei Radreisen

Der Alaska Highway ist hier eher ein Sonderfall: etwa alle 50km gibt es eine „rest area“ an der es Toiletten gibt. Ansonsten sollte man bei der Platzwahl darauf achten dass der Ort frei von Insekten ist, die einen möglicherweise stören könnten. Um niemanden zu belästigen, sollte man in einigen Gegenden außerdem eine kleine Schaufel mitnehmen, um seine Ausscheidungen vergraben zu können.

Deo: ja oder nein?

Bei der Verwendung von Deo sollte man grundsätzlich zuerst überlegen, was man damit erreichen möchte. Denn das Schwitzen hat für unseren Körper definitiv eine Funktion und ist nichts, was sich ohne Konsequenzen einfach so abstellen lässt. Ich benutze mein Deo nur an den Tagen, an denen ich wenige bis keine Kilometer fahre, oder direkt nachdem ich mich geduscht habe und vorhabe, in die Stadt o.ä. zu gehen. Ansonsten gilt: Tägliches Waschen, um Gerüche zu vermeiden, Einschränkungen im Deogebrauch, um Gesundheit zu erhalten.

Zähneputzen bei Bikepacking Touren:

Die Zahnbürste ist ganz weit oben auf meiner Liste der wichtigsten Items. Wer jedoch gerne ultraleicht unterwegs ist, hat hier Einsparpotential: Ein abgesägter Griff und die Verwendung von Zahnputzpulver anstelle von Creme spart einige Gramm.

Das waren meine Top Tipps zum Thema Hygiene on the Road! In meinem nächsten Artikel geht es um die Versorgung mit Lebensmitteln auf meiner Tour
von Alaska nach New York City.

Liebe Grüße aus British Columbia,
Leonard Schlüren