Über die Einsamkeit beim Bikepacking - Fahrrad.de
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Über die Einsamkeit beim Bikepacking

Alleine auf Radreise

In der Mitte des 700 km langen Stewart-Cassiar Highways war es dann endgültig so weit: Ich fühlte mich einsam. Seit Tagen schon hatte ich niemanden mehr gesehen, kein Dorf und auch keine Tankstellen lagen auf meinem Weg. Das Wetter war auch nicht optimal, einige Regenschauer sorgten dafür, dass meine gesamte Ausrüstung feucht war, und auch nicht so schnell trocknete.

Um das zu verstehen, muss man der Frage auf den Grund gehen, warum man überhaupt eine solche Reise unternimmt – und was man sich davon erhofft. Bei mir ist das Alleinsein ein wichtiger Grundbestandteil der Reise: es gibt schließlich viele Vorteile, die die Unabhängigkeit mit sich bringt. So kann man in seinem eigenen Tempo radeln, stoppen wo man will und kann wunderbar irrationale Entscheidungen treffen – der einzige, der sich beschweren kann, ist man selbst. Und das meiner Meinung nach Wichtigste: man muss sich nicht erklären. Nicht vor anderen, nicht vor sich selbst. Dadurch, so finde ich, stellt man sich auch am ehesten infrage, durchdenkt seine eigenen Motive.
Zudem bedeutet alleine zu reisen in der Regel eben eher nicht einsam zu sein. Man trifft viel mehr Menschen, wenn man alleine ist und kann flexibler reagieren – zum Beispiel, wenn man eingeladen wird.

Natürlich gibt es im Gegenzug auch einige Momente, in denen man sich einen Gesprächspartner wünscht – jemanden, mit dem man sich austauschen kann, der einem Rückendeckung gibt und einen absichert. Doch wenn man eben diese Absicherung nicht mehr hat, übernimmt man volle Verantwortung für sich selbst. Niemand ist da, dem man die Schuld für eine gebrochene Speiche geben kann – die Strecke hat man selbst herausgesucht. Niemand, der einem die gerissene Kette repariert und niemand, der sich die Beschwerden anhört. Und so übernimmt man Schritt für Schritt mehr Verantwortung für sich und seine Tour.

Das mag durchaus an meinem Alter liegen, und vielleicht gibt es einige, die nicht das Selbe denken: „alles schön und gut, aber was macht er, wenn doch einmal etwas passiert?“ Oder: „alleine zu Reisen mag ja Vorteile haben – aber für mich wäre das nichts“ sind nur einige der Gedanken, die zur Sprache kommen können, wenn ich über meine Reisephilosophie spreche. Und es stimmt: Alleine zu Reisen macht eben nicht immer nur Spaß. Aber ich empfinde es als eines der intensivsten Erlebnisse, die man haben kann – das gilt für die Höhepunkte, wie auch für die Tiefpunkte auf solch einer Reise.