Eine Bikepacking-Reise von Alaska bis New York - Waldbrände in British Columbia
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Aktuelles Thema zur Bikepacking-Reise

Waldbrände in British Columbia

Waldbrände in British Columbia

Wenn ich in diesen Tagen Radio höre, kommt dort meist kaum etwas anderes als Nachrichten. Das Hauptthema der Sondersendungen: Die Waldbrände in British Columbia. Obwohl erst der Anfang der Waldbrandsaison ist, wurden schon jetzt so viele Leute evakuiert wie noch nie in der Geschichte British Columbias. Ganze Highways sind gesperrt, was Reisende zu Umwegen von bis zu 800 km zwingt.

Doch Eins nach dem Anderen:

Waldbrandgefahr - keine Feuer - Schild Bikepacking KanadaDer Frühling war in den südlichen Regionen BCs dieses Jahr ungewöhnlich regenarm, und das Risiko für Brände daher hoch. Kein Wunder also, dass sich die Feuer schnell ausbreiten konnten, und schon nach wenigen Tagen ein erschreckendes Ausmaß besaß.

Eigentlich sind Waldbrände durchaus nichts Ungewöhnliches in Kanada. Man sieht an den Highways viele Schilder mit dem Titel: „Only you can prevent Wildfires“ und darunter eine Nummer der zuständigen Behörde, die man anrufen sollte, wenn man ein Feuer entdeckt. Außerdem gibt es Schilder, die zeigen, wie groß die derzeitige Waldbrandgefahr ist. Je nach Zustand der Vegetation können Campingfeuerverbote ausgesprochen werden – das ist jetzt in ganz British Columbia der Fall. Abgesehen von den Schildern, die vor Bränden warnen, sieht man auch ganze Landstriche, die offensichtlich Waldbränden zum Opfer gefallen sind. Doch dieses Jahr ist es eben besonders schlimm, da manche Regionen schon seit Wochen keinen Regen mehr gesehen haben.

Wie die Menschen reagieren:

Canada ist bekannt für seine Gastfreundschaft und die offenherzigen Bewohner. Das zeigt sich vor allem in einer Situation wie dieser. Die Opfer werden von den Bewohnern der Nachbarstädte mit offenen Armen aufgenommen, man hilft, wo man kann. Die Situation ist ja grundsätzlich keine neue, lediglich das Ausmaß ist erschreckend. Viele der Flüchtigen nehmen es aber erstaunlich entspannt: Berichte, wie sie in wenigen Minuten das Haus verlassen mussten, wie sich das Feuer wie ein Bunsenbrenner angehört hat, als die Bäume hinter dem Haus verbrannten, werden oft mit einer gewissen Gelassenheit erzählt – die meisten sind gefasst und vorbereitet.

Der Krisenstab, der für das Wildfeuermanagement zuständig ist, macht seine Arbeit gut, und so kommt es nicht zur Panik. Universitäten, Sporthallen und Parks werden kurzerhand umfunktioniert und zu Evakuierungszentren erklärt. Die örtliche Bevölkerung unterstützt durch Spenden – an kaum einer Supermarktkasse wird man nicht gefragt, ob man etwas für die Feuerwehr spenden möchte. Auch aus dem Ausland bekommt Kanada Unterstützung: 50 Australische Feuerwehrmänner sind mit dem Flieger gekommen, um bei der Bekämpfung behilflich zu sein. Sie werden nicht direkt mit der Bekämpfung der Feuer betraut, sondern unterstützen bei Planung und regionaler Umsetzung der Löschpläne.

Doch trotz all der Bemühungen sieht es in Städten wie Prince George traurig aus: Menschenschlangen, die vor Kirchen und Wohltätigkeitsorganisationen zu sehen sind, sind das deutlichste Zeichen für die derzeitige Notlage. In einigen Gesichtern sieht man Unruhe, Befürchtungen und auch Angst, schließlich sind nicht alle versichert, und die Zustände durchaus existenzbedrohend.

Wie es weitergeht:

Doch wie jeder Waldbrand haben auch diese Feuer irgendwann ihr Ende erreicht. Manche Regionen wurden schon wieder heruntergestuft, und stehen jetzt nicht mehr auf Evakuierungszwang sonder auf Evakuierungswarnung – das bedeutet, dass man zurück in die Häuser kehren kann, es aber jederzeit zur erneuten Evakuierung kommen könnte.

Die Schäden sind so weit eher überschaubar, die Feuerwehr konnte mit Flugzeugen, Helikoptern und Bodeneinsätzen das Schlimmste verhindern. Viel größer als die Brandschäden sind daher vielerorts die Wasserschäden: Das Wasser der Flugzeuge wird mit einem roten Stoff versetzt, der verhindert, dass die Tanks korrodieren – Dadurch sind nun aber viele Häuser wie von dreckiger Farbe überzogen. Solange die Farbstoffe aber nicht über Wochen von der Sonne eingebrannt werden, kann man sie aber mit Seife und Wasser entfernen – was bei einem großen Haus natürlich eine durchaus zeitaufwändige Angelegenheit darstellen kann.

Ich denke allgemein, dass die Region eher gestärkt aus den Vorgängen heraustreten wird. Der Zusammenhalt, die effektive Löschung und die große Professionalität, die den Feuern entgegengesetzt wird, sind Anzeichen dafür, dass sich die Bevölkerung nicht unterkriegen lassen wird.

Wie mir ein Kanadier, der an einem Evakuierungszentrum beschäftigt war, sagte: „Hier wird niemand verhungern, egal was passiert. Ich glaube fest daran, dass jeder irgendwo unterkommen wird, auch nach den Feuern. Das ist Canada. Überall sonst auf der Welt hätte ich Bedenken, aber nicht hier. Wir kümmern uns um einander.“