Die Geschichte des Fahrrads

Die Entwicklung des Fahrrads

Das Fahrrad feiert 200-jähriges Bestehen und wir feiern mit! Die Erfindung von Drais 1817 in Mannheim hat es weit gebracht. Wir stellen euch hier die Evolution des Fahrrades vor! Waren die Viktorianer mit Fahrrädern die eigentlichen Ur-Hipster? Lange bevor es Männer mit schicken Bärten in nostalgischen Klamotten auf Fixies gab, gab es Männer mit geformten Schnurrbärten und modischen Klamotten auf Velozipeden und Hochrädern. Genau wie die Mode, hat sich auch das Fahrrad im Laufe der Zeit gewandelt. Während einst das Auto als Transportmittel der Zukunft gesehen wurde, so sind es heute zunehmend die Radfahrer und ein Netzwerk von Fahrradwegen, die in den meisten Großstädten der Welt das Stadtbild bestimmen. Die Bedeutung des Fahrrades ist nicht zu unterschätzen: seine Entwicklung brachte das erste, vom Mensch angetriebene Zweirad-Transportsystem hervor, es befreite die Frauen und ist ein Symbol von Fortschritt, Spaß und Unterhaltung und von Freiheit und Freude. Es verkörpert aber auch Hoffnung und eignet sich ideal für eine Zukunft, die mit großen Problemen wie dem Klimawandel, eine Epidemie der Fettleibigkeit und einer immer weiter wachsenden Bevölkerung konfrontiert ist – vor allem in den Großstädten. Auf jeden Fall war es ein langer Weg von den bescheidenen Anfängen als Steckenpferd.

Themen:

  • Die Entwicklung des Fahrrads Infografik
  • Die Entwicklung des Fahrrads Infotext
  • Über fahrrad.de


    Die Geschichte des Fahrrads

    1817-1830

    Die Erfindung des ersten Fahrrads

    Obwohl es einige fragliche Beweise für die Existenz von Fahrrädern vor 1800 gibt, ist es eine weithin anerkannte Tatsache, dass das erste Fahrrad im Jahr 1817 von einem Herrn namens Baron Karl von Drais in Deutschland erfunden wurde. Es wurde „Laufmaschine“ oder auch Draisine genannt und im Jahr 1818 als erstes erfolgreiches, zweirädriges, vom Mensch angetriebenes, lenkbares Transportmittel patentiert. Andere Erfinder griffen das Konzept auf, insbesondere Denis Johnson in London, der eine neuere, verbesserte Version der ursprünglichen Laufmaschine von Drais entwickelte. Fast vollständig aus Holz gefertigt, mit einem lenkbaren Vorderrad, konnte es die Reisezeit um die Hälfte verkürzen. Diese zweirädrige Erfindung hatte keine Pedale und die Fahrer trieben ihre Steckenpferde auf waghalsige Weise mit den Füßen voran und ließen sie die Hügel hinunter rollen, wobei sie gleichzeitig irgendwie versuchten, die Balance zu halten. In England liebevoll nach dem Kinderspielzeug „hobby horse“ (Steckenpferd) oder auch „Dandy Horse“ („Pferd für die Städter“) genannt, offiziell bekannt unter dem Ausdruck „Veloziped“, glich es bereits mehr oder weniger der heute bekannten Form der zweirädrigen Fahrräder. Zwischen 1818 und 1820 wurde der Besitz eines Velozipeds zum Kult, der ganz Westeuropa und Nordamerika ergriff, und es wurde als neuartiger, modischer Artikel gefeiert, den man einfach besitzen musste – besonders in der Londoner Society. Nur ein paar Jahre später war seine Popularität verblasst, und einige Großstädte gingen sogar so weit, seinen Einsatz wegen der großen Anzahl von Unfällen zwischen Veloziped und Fußgängern zu verbieten.

    Nach oben

    1840-1870

    Pedale und Drehkurbel am Fahrrad

    Bike Pierre Michaux erste Pedale am Fahrrad

    In den 1860er Jahren entwickelte Pierre Michaux, Gründer der Firma Michaux, das erste beliebte und kommerziell erfolgreiche Fahrrad, das zusätzlich Pedale und Drehkurbeln am Vorderrad aufwies. Nun war es möglich das Fahrrad durch Treten vorwärts zu bewegen. Es entwickelte sich über Nacht zu einem Erfolg und wurde für kurze Zeit unglaublich schick. Allerdings hatte es auch einige Nachteile. Die Verwendung von festen Metallrahmen und Eisenreifen machten das Fahrrad schwerfällig – solche Fahrräder konnten manchmal bis zu 50 Kilo wiegen. Das Vorderrad war hier ein kleines bisschen Größer als das Hinterrad.

    Die Entwicklung in China

    Obwohl China heute weltweit als Fahrradnation gilt, wurde das Fahrrad dort erst in den 1860er Jahren von einem chinesischen Beamten namens Bin Chun bekannt gemacht, der das Veloziped in den Straßen von Paris hatte herumflitzen sehen. Nachdem sich China erst kurz zuvor unter westlicher Herrschaft befunden hatte, war man dort über eine weitere ausländische Erfindung zunächst nicht sehr erfreut und lehnte die Idee weitestgehend ab. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren es hauptsächlich Ausländer, die in Shanghai Fahrräder benutzten, während die Einheimischen von Rang noch immer in einer Sänfte oder der neuesten Erfindung, einer Rikscha (erfunden 1870), Platz nahmen. Es war für einen respektablen Chinesen einfach nicht salonfähig, sich unabhängig umher zu bewegen, oder schlimmer noch: beim Schwitzen gesehen zu werden. Es ist jedoch trotz der anfänglich schleppenden Akzeptanz der zweirädrigen Erfindung klar, dass Bin Chun dem weltgrößten Fahrradmarkt die Augen geöffnet hatte.

    Nach oben

    1880-1910

    Die Entwicklung des Hochrads

    Das Hochrad

    Durch größere Vorderräder, konnte man höhere Geschwindigkeiten erreichen und so kam es, dass die Vorderräder immer größer wurden, während das Hinterrad eher zu einem Stützrad verkam. Um 1880 hatten die Hersteller die Ausmaße des Vorderrads auf haarsträubende Proportionen vergrößert und das Hochrad war geboren. Dieses neue Fahrrad mit dem übergroßen Vorderrad wurde in Großbritannien unter dem Namen „Penny-Farthing“ bekannt, da es in etwa den damals gebräuchlichen Penny- und Farthing-Münzen entsprach. „Hochrad“ oder „Gewöhnliches Zweirad“ waren andere Namen für das Gefährt, das rasch an Beliebtheit gewann, besonders auch in Großbritannien und den USA. Allerdings war das Aufsteigen eine Kunst für sich und nicht ganz ungefährlich, denn man musste neben dem Rad rennen, bis es eine gewisse Geschwindigkeit erreicht hat und dann während der Fahrt auf den Sattel klettern und aufspringen. Durch die Höhe des Vorderrads kam es damals zu sehr vielen tödlichen Unfällen. Das Lenken war schwierig und das Fahren über jegliche Hindernisse auf der Fahrbahn war extrem gefährlich und konnte den glücklosen Fahrer kopfüber auf die Straße befördern.

    Die Weiterenwicklungen

    Mit etlichen bedeutenden Erfindungen dieser Zeit gelang es, das Gewicht des Rahmens zu verringern und den Komfort des Fahrers zu erhöhen. Die Konstruktion des Rades wurde durch Speichen und Kugellager verbessert. Obwohl das Hochrad nur für kurze Zeit populär war, wurde es in Großbritannien zum Symbol des spätviktorianischen Freizeitvergnügens. Das unverwechselbare Design des Hochrads oder „Penny-Farthing“ machten es zwar mit jeder Veränderung des Vorderrads schneller und für größere Entfernungen geeignet, es war jedoch alles andere als praktisch. Gegen Ende der 1890er Jahre war das „Sicherheitsfahrrad“ mit gleichgroßen Rädern eine der wichtigsten Entwicklungen in der Geschichte des Fahrrads. Es erhielt seinen Namen, da es eine sicherere Variante des Hochrads war. Allerdings wurden anfangs die ersten Fahrer auf dem Sicherheitsrad noch als „Memmen“ benannt und die Fahrräder als „Klapperkisten“ bezeichnet. Doch nach relativ kurzer Zeit überwog dann doch der Sicherheitsfakor und das Fahrrad, das unserem heutigen Fahrrad schon sehr ähnlich war, setzte sich durch. Zusammen mit anderen wichtigen Funktionen wie beispielsweise festen Pedalen, die das Hinterrad über eine Kette und eine Gangschaltung antreiben sowie einer Lenkstange und einer Gabel am Vorderrad, die noch immer an den modernen Fahrrädern vorhanden sind, wurde es zum Grundgerüst des heutigen Fahrrads. Bereist 1885 wurde der John Kemp Starleys Rover zum Prototyp des modernen Fahrrads. Dieses Zeitalter des Fahrradfahrens wurde als „Goldenes Zeitalter“ oder „Fahrrad-Kult“ bekannt. Es hatte außerdem eine weitreichende Wirkung auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft, was dem Fahrrad den Spitznamen „Freiheitsmaschine“ einbrachte. Eine Frau, die Fahrrad fahren konnte, genoss eine größere, den Männern ebenbürtige Mobilität. Frauen, die mit dem Fahrrad fuhren, brauchten außerdem praktischere Kleidung, da die Mode der viktorianischen Zeit – wie Korsetts, lange, schwere Röcke, Petticoats oder Reifröcke – die Bewegungsfreiheit auf dem Fahrrad einschränkten. Dieses neue Fortbewegungsmittel trug zur Entwicklung von praktischeren und geschlechtsneutralen Kleidungsstücken für Frauen bei, wie beispielsweise weite Hosen oder Hosenröcke.

    Nach oben

    1890-1950

    Autos und erste Rennen mit Rädern

    Das Rennrad Entwicklung ab 1888

    In dieser Zeit verlagerte sich der Fokus der Menschen in der westlichen Welt, der Fahrradkult ebbte ab und machte Platz für Automobile, die von da an weithin als Transportmittel der Zukunft galten. Nach den „Goldenen Zwanzigern“ kam die Weltwirtschaftskrise. Mit einem Weltkrieg in den 30er und 40er Jahren und dem kalten Krieg in den 50ern verschob sich die Stimmungslage in der Welt. In den 50er und 60er Jahren stand das Auto an erster Stelle und der größte Anteil der Fahrräder wurde jetzt an Kinder und nicht mehr an Erwachsene verkauft. In den Großstädten wurden Radfahrer häufig von Autofahrern geschmäht, da nun das Auto das bevorzugte Transportmittel der meisten Menschen war. In China jedoch nahm die Begeisterung für das Fahrradfahren in den 1920er Jahren zu und Ende der 1930er Jahre wurde die erste Fließbandfabrik für ausländische Fahrräder gegründet. Als China 1949 zur Volksrepublik China wurde, entschied die Partei, dass das Fahrrad das Haupttransportmittel der Bevölkerung für den Stadtverkehr werden sollte. Die meisten Menschen fuhren zwischen ihrer Arbeitsstätte und ihrem Zuhause mit dem Rad und um 1958 produzierte China mehr als eine Million Fahrräder pro Jahr. Tatsächlich ist China bis heute der weltweit führende Hersteller von Fahrrädern und produziert etwa 60 % aller auf der Welt verkauften Fahrräder.

    Die ersten Rennen mit Rädern

    Um 1890 fanden die ersten Rennen mit Fahrrädern statt und das Fahrrad wurde immer mehr zum Rennrad entwickelt. Obwohl die ersten Rennen schon um die Jahrhundertwende stattfanden, war es unmöglich, während des zweiten Weltkriegs das Rennen fortzusetzen. Im Jahr 1947 fanden die Straßenrennen das erstmals seit 1939 wieder statt. Wegen des Krieges und der vielen Absagen von Rennen über einen so langen Zeitraum war nicht absehbar, wer möglicherweise gewinnen würde. Die Tour schloss außerdem die Teams aus Deutschland und Italien aus (da sich Frankreich de facto noch immer im Krieg mit Italien befand). Die Route bestand aus 20-25 Etappen, die durch Frankreich, Luxemburg und Belgien führten, wobei der Fahrer, der das Ziel in der kürzesten Zeit erreichte, als Gewinner der einzelnen Etappe galt. Dieses Format der Teilung der Etappen reichte bis weit in die 1980er Jahre hinein. Im Jahr 1953 wurde das „Punktesystem“ mit einem grünen Trikot eingeführt

    Nach oben

    1960-1990

    Das Mountainbike wird geboren

    Der erste Mountainbike wurde erfunden

    Nach den Kriegen und der Weltwirtschaftskrise ebneten die 60er Jahre den Weg für die dynamischen „Swinging Sixties“ und die psychedelischen Siebziger. Es war einer der entscheidenden Momente der neueren Geschichte, eine Zeit der Hoffnung und der Versprechen, der Freiheit, sich in Mode, Kunst und Musik auszudrücken, unterstützt von einer unerschrockenen Generation, die bereit war, die Grenzen zu verschieben. Mit Mary Quants Minirock, der eine neue Generation emanzipierter Frauen kennzeichnete, war die Freiheit der Frauen seit dem viktorianischen Zeitalter weit gekommen. Es war ein Jahrzehnt der Veränderungen, das auch einen bleibenden Eindruck in der Entwicklung des Fahrrads hinterließ, und der Zeitraum zwischen Mitte der 60er und dem Jahr 1975 erfuhr in den USA einen der größten Höhepunkte der Popularität des Fahrrads seit seiner Erfindung. Es wurde als der „Fahrrad-Boom“ bezeichnet. Durch das geschärfte Fitnessbewusstsein verdoppelten sich die Fahrradverkäufe zwischen 1960 und 1970 und nochmals zwischen 1971 und 1975. Nach vielen kleinen Verbesserungen am Rad gab es erst um 1981 die nächste größere Entwicklung am Fahrrad. Das Mountainbike wurde erfunden. Joe Breeze, Charles Kelly und Gary Fisher gelten als die Urväter des Mountainbikes. Damals waren sie Teil einer Bande von Nobodys, die in den Hügeln von Marin Country um Mount Tamalpais nach neuen Wegen suchten, sich auf zwei Rädern auszutoben. Dabei bastelten sie an ihren Rädern und verbesserten Diese für unwegsames Gelände und Anstiege. Sie entwickelten nach und nach Dämpfer und suchten nach breiteren Reifen mit mehr Profil für ihr Rad. Die Idee des Mountainbikens war geboren und entwickelte sich schnell und rasant weiter, bis heute. Waren es damals die Wagemutigen und Verrückten, die sich Abhänge runter stürzten gibt es heute viele Facetten des Mountainbikens und der Sport hat sich zum Breitensport entwickelt.

    Nach oben

    2000-jetzt

    Umwelt, Bekleidung und Bike-Sharing

    Heute unterstützen viele Großstädte auf der ganzen Welt aktiv das Radfahren und schaffen eine gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur. Immer mehr Menschen wenden sich dem Fahrrad als umweltfreundliches und preisgünstiges Transportmittel für den Stadtverkehr zu und um gleichzeitig auf entspannte Weise fit zu bleiben. In den frühen Nullerjahren begann die Hipsterbewegung an Orten wie Brooklyn, New York und Portland (Oregon, USA) und verbreitete sich wie ein Buschfeuer in der westlichen Hemisphäre. Große Bekleidungsmarken nahmen sich dieser Bewegung an und die Zeiten, in denen Radfahrer sich in hautenge Lycra-Kleidung zwängten oder Plastikclips über ihre flatternden Hosenbeine tragen mussten, waren endgültig vorbei. Stattdessen entwarfen sowohl Alltagsmarken als auch Designer-Labels stilvolle und gleichzeitig praktische Bekleidung für Stadtfahrer, sodass auch die anspruchsvollsten Radfahrer sich bei ihrer Fahrt durch die Stadt schick kleiden konnten. In großen Städten in Europa und den USA, wie beispielsweise Amsterdam, New York und London, ermöglichen Bike-Sharing Programme es jedermann, einfach ein Rad zu leihen und es an einer Vielzahl von gekennzeichneten Stellen im gesamten Stadtgebiet zurückzugeben und so auf einfache und günstige Art Staus zu umgehen und einfach und bequem von A nach B zu kommen. Zudem wurde um 1995 das E-Bike entdeckt. Eine Erfindung, die die Vortbewegung mit dem Zweirad noch einmal vereinfacht hat und damit auch nicht so sportlichen Radfahrern die Möglichkeit bietet längere Strecken ohne größere Anstrengung zurück zu legen. Das urbane Radfahren wird zunehmend populärer und mit ihm auch der Trend, Fahrräder genau auf den Kundenbedarf zuzuschneiden, was zur Erfindung des „ultimativen Hipster“ Festgetriebe (fixed gear) oder „Fixie“ Rads führte. In mancherlei Hinsicht ein Rad in seiner Urform, ein Rad mit nur einem Gang, ohne Leerlauf. Dennoch hat es einen Nachteil: es ist unmöglich, mit einem Fixie einfach dahinzurollen. Es scheint, als habe sich bei der Entwicklung des Fahrrads der Kreis geschlossen. Fixie-Räder sind ideal für innerstädtisches Radeln und weil man zum Strampeln gezwungen ist, egal wie weit oder in welche Richtung man fährt (bergauf oder bergab), bleibt man zusätzlich auch fit. Das durchschnittliche Fixie ist außerdem viel leichter als andere Fahrräder, daher ist es ein ideales Pendler-Rad – eine Art Smart für Radfahrer. Warum sind sie so populär? Vielleicht sind sie in einer Welt des Massenkonsums die letzten Vertreter der Einfachheit, zurück zum definitiven, klassischen Fahrrad. Ob Hipster oder nicht, das Festgetriebe-Rad ist bei vielen Menschen beliebt, die sich wieder eine Verbindung mit ihrer Umgebung und der Umwelt wünschen.

    Nach oben