Mit dem Bosch Hub Line wird das Portfolio von Bosch erstmals um einen Nabenmotor erweitert. Bisher war Bosch vor allem für kraftvolle Mittelmotoren wie dem Performance CX oder dem PX bekannt, die vor allem im E-MTB und Touren & Trekking Segment zum Einsatz kommen. Damit einher gingen bislang meist große Akkukapazitäten von 600-800Wh.
Die neue Hub-Line verfolgt einen anderen Ansatz und kommt vor allem in leichten, alltagstauglichen Citybikes zum Einsatz. Sie überzeugt dabei mit einem natürlichen Fahrgefühl und ist Teil des Bosch Smart-System. Die kleineren Akkugrößen und das konstruktiv einfachere Prinzip des Nabenmotors und die einfachere Integraiton des Antriebs im Rahmen werden sich auch im niedrigeren Einstiegspreis der E-Bike Modelle mit Bosch Hub-Line widerspiegeln.
Was ist die Bosch Hub Line?
Der Motor der Bosch Hub Line ist wie der Name schon sagt in der Hinterrad-Nabe verbaut. Die Nabe ist dabei nur etwas größer als eine herkömmliche Nabenschaltung. Kein Vergleich zu den Pizzatellergroßen Nabenmotoren die man aus früheren Jahren kennt. Wer argumentiert, dass die Gewichtsverteilung und der zentrale Schwerpunkt eines Mittelmotors konstruktive Vorteile mit sich bringen hat sicherlich recht, jedoch kommen diese Vorteile im urbanen Raum, für den der Bosch Hub-Line Motor konzipiert ist, kaum zur zum Tragen.

Der Antrieb wird dementsprechend vor allem in Urban-, City- und Commuter-E-Bikes zu finden sein. Vor allem in Verbindung mit dem neuen, schmalen PowerTube 360 Akkue ermöglicht er eine besonders dezente und unauffällige Integration des E-Antriebes in das Rad.
Bosch beschreibt die Hub Line als Antrieb für Radfahrer*innen, die ihr E-Bike täglich nutzen – sei es auf dem Weg zur Arbeit, für Besorgungen in der Stadt oder für kürzere und einfache Touren im Alltag.
Die wichtigsten technischen Daten
Die Bosch Hub Line nennt eine maximale Leistung von bis zu 400 Watt und ein maximales Drehmoment von 45 Newtonmetern. Wie bei anderen Antrieben auch unterstützt dich der Motor bis 25 km/h und läuft mit einer Nenndauerleistung von 250W.
Laut Bosch erreichst du mit dem 360Wh Akku der Hub-Line eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern. Wie immer handelt es sich bei dieser Angabe um einen theoretischen Wert. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Faktoren wie Topografie, Rollwiderstand des Untergrundes und vor allem von der gewählten Unterstützungsstufe ab.
Mit seinen 45 Newtonmetern positioniert sich der Motor nicht als sportlicher Kraftprotz, sondern als effizienter Begleiter für den urbanen Einsatz. Gerade im urbanen Bereich sind hohe maximale Drehmomente nicht so entscheidend wie z.B. im MTB- Bereich. Zudem liegen die 45 Nm direkt am Hinterrad an. Wie überraschend kraftvoll sich 45Nm anfühlen erfährst du weiter unten im Fahrbericht.
Für ein möglichst rundes Fahrerlebnis setzt Bosch auf Sensoren, die deine Fahrt permanent analysieren und vor allem im Auto-Modus die Unterstützung an die jeweilige Situation anpassen.
Wie von Bosch gewohnt stehen vier verschiedene Unterstützungsstufen zur Verfügung. Diese sind über die Flow App konfigurierbar. Besonders spannend: der Auto-Modus, der die Unterstützung automatisch an die jeweilige Fahrsituation anpasst.
Die Hub Line ist mit unterschiedlichen Schaltungskonzepten kompatibel. Dazu gehören klassische Kettenschaltungen ebenso wie Nabenschaltungen mit Riemenantrieb.
Neue Akkus und Systemkomponenten
Parallel zur Hub Line stellt Bosch neue Akku-Komponenten vor, die speziell auf leichte und kompakte E-Bikes ausgelegt sind.
Eine zentrale Rolle für den Hub-Line Motor spielt dabei der neue PowerTube 360 Akku. Mit gerade einmal 68 mm Durchmesser und ca. 2,1 kg gehört er zu den absoluten Leichtgewichten unter den E-Bike Akkus. Ergänzt werden kann er durch den PowerMore 250 Range Extender. Dadurch lässt sich die verfügbare Akkukapazität flexibel erweitern, ohne dauerhaft einen größeren Akku mitführen zu müssen.

Wie alle aktuellen Bosch-Antriebe ist auch die Hub Line vollständig in das Smart System eingebunden. Nutzerinnen und Nutzer profitieren damit von den bekannten digitalen Funktionen, der Flow App sowie regelmäßigen Software-Updates.

Für welche E-Bikes ist die Hub Line gedacht?
Bosch sieht die Hub Line vor allem in modernen Alltags- und Citybikes. Der Fokus liegt auf Fahrrädern, die sich leicht und agil bewegen lassen sollen.
Typische Einsatzbereiche sind:
• Urban Bikes
• City E-Bikes
• Commuter-Bikes
Im Mittelpunkt steht dabei weniger maximale Leistung als vielmehr ein ausgewogenes Verhältnis aus Unterstützung, Effizienz und Fahrkomfort.
Die Hub Line richtet sich damit an Fahrerinnen und Fahrer, die ein natürliches Fahrgefühl suchen und ihr E-Bike vor allem im Alltag und in der Stadt einsetzen.
Die ersten E-Bikes mit Bosch Hub Line
Alle E-Bikes mit Bosch Hub-Line Antrieb in unserem Sortiment werden in Kürze hier vorgestellt.
Bosch Hub Line im Praxistest: Unsere ersten Fahreindrücke
Wir hatten bereits die Möglichkeit das neue Bosch Hub Line Antriebssystem zu testen. Vor der ersten Fahrt wollten wir vor allem Wissen: Wie fühlt sich Boschs erster Nabenmotor in Alltags-Szenarios an? Also befestigte Straßen und Wege, überwiegend auf der Ebene mit gelegentlichen, mitunter steilen Anstiegen. Mit Bosch verbindet man seit Jahren vor allem Mittelmotoren mit höchster Qualität und Zuverlässigkeit. Entsprechend hoch waren die Neugier aber auch der Maßstab.
Unser erster Eindruck in fiel überraschend und positiv aus. Obwohl die technischen Daten mit 45 Nm Drehmoment zunächst eher zurückhaltend wirken, fühlt sich die Unterstützung auf der Straße kräftiger an als erwartet. Besonders in den Modi Auto und Turbo entwickelt die Hub Line vor allem auf der Ebene einen spürbaren Vortrieb und beschleunigt zügig. Wer die Zahlen auf dem Datenblatt liest könnte dazu tendieren die Power des Motors zu unterschätzen.
Spannend war für uns auch die Abstimmung der einzelnen Fahrmodi. Während Auto und Turbo viel Unterstützung bereitstellen, fiel der Eco-Modus in unserem Test-Bike recht zurückhaltend aus. Nach unserem Eindruck eignet er sich der niedrigste Modus wirklich nur, wenn möglichst viel Reichweite aus dem Akku herausgeholt werden soll oder die verbleibende Akkukapazität für die letzten Kilometer nach Hause reichen muss. Für den täglichen Einsatz dürften viele Fahrerinnen und Fahrer eher zu Auto oder sogar Turbo greifen oder sich für den niedrigsten Modus etwas mehr Power über die Flow App einstellen.
Während unserer Testfahrt konnten wir die Bosch Hub Line sowohl auf flachen Abschnitten als auch an einer kräftigen Steigung ausprobieren. Der Motor hinterließ dabei einen überzeugenden Eindruck und meisterte selbst steilere Anstiege souverän. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Fahrerlebnis auch von der gewählten Schaltung und Übersetzung beeinflusst wird. Je nach Fahrradkonzept fällt das Klettern am Berg entsprechend leichter aus oder erfordert etwas mehr Kraftaufwand. Fahrer*innen in hügeligen Städten sollten ggf. die Version mit Kettenschaltung und damit einhergehend mit mehreren Gängen in Erwägung ziehen.
Im direkten Vergleich zu den bekannten Bosch-Mittelmotoren zeigt die Hub Line einen etwas anderen Charakter. Während ein Mittelmotor die Unterstützung oft besonders fein und präzise dosiert, wirkt die Hub Line im Turbo-Modus etwas direkter. Bei sehr leichtem Pedaldruck schiebt der Motor noch etwas nach, obwohl kaum Kraft und Druck auf die Pedale gegeben wird. Das fällt vor allem Fahrerinnen und Fahrern auf, die bereits viel Erfahrung mit Bosch-Mittelmotoren gesammelt haben und insbesondere das feine Ansprechverhalten eines E-MTB oder E-MTB+ Modus schätzen. Hier wirkt der Bosch Hub Line etwas weniger präzise im Ansprechverhalten.
Positiv aufgefallen ist uns außerdem die Geräuschentwicklung. Die Hub Line arbeitet angenehm leise und bleibt akustisch sehr im Hintergrund. Gerade im urbanen Umfeld trägt das zum unauffälligen und natürlichen Gesamteindruck des Systems bei.
Ebenfalls wichtig: Oberhalb der Unterstützungsgrenze von 25 km/h oder ganz ohne Unterstützungsmodus lässt sich das Fahrrad ohne spürbaren Motorwiderstand bewegen. Das Fahrgefühl erinnert dabei eher an ein klassisches Fahrrad als an ein schweres E-Bike.
Fazit des ersten Tests
Nach unserer ersten Fahrt bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Die Bosch Hub Line fährt sich nicht wie ein abgespeckter Mittelmotor, sondern wie ein eigenständiges und durchdachtes System mit klarem Fokus auf Alltag, Komfort und einem natürlichen Fahrgefühl. Gleichzeitig bietet sie mehr Unterstützung, als die technischen Daten zunächst vermuten lassen.
Gerade im urbanen Einsatz spielt das System seine Stärken aus. Die Unterstützung ist kräftig genug für Anstiege, und Situationen im täglichen Alltag. Dazu kommen die leise Arbeitsweise und das widerstandsfreie Fahrgefühl über 25 km/h. Für moderne Urban-, City- und Commuter-Bikes wirkt die Hub Line wie eine sehr stimmige Lösung, die für ein preiswertes E-Bike-Gesamtpaket sorgen wird.
Wer ein möglichst sportliches E-Bike für lange Anstiege und Abfahrten oder anspruchsvolle Touren sucht, wird weiterhin eher bei den bekannten Bosch-Mittelmotoren wie Performance CX, SX, PX oder auch Active Line fündig.
Unser Eindruck nach den ersten Kilometern: Bosch ist der Einstieg in die Welt der Nabenmotoren gelungen. Die Hub Line fühlt sich nicht wie ein Kompromiss an, sondern wie ein Antrieb, der gezielt für die Anforderungen des urbanen Alltags entwickelt wurde.
alle Bilder im Artikel: © Bosch eBike Systems